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LOKALES

 

Geradlinige und engagierte Pädagogin

24.07.2010

Rektorin der Lindenschule in Unterlenningen, Eva-Maria Hess, in den Ruhestand verabschiedet


Eva-Maria Hess, Rektorin der Lindenschule in Unterlenningen geht in den Ruhestand. Ihr zu Ehren gab es eine herzliche ­Verabschiedungsfeier, bei der deutlich wurde, wie geschätzt die Pädagogin war.

Iris Häfner

Lenningen. Auch wenn die Lindenschule direkt an der Bahnlinie Kirchheim-Oberlenningen liegt, wollte Eva-Maria Hess keinen großen Bahn­hof. Die Verabschiedung fand in fast familiärer Atmosphäre in der Schule statt mit Freundinnen, Weggefährten, Würdenträgern, Eltern, Kollegen – und vor allem den Schülern. Die hatten in Form der Musik AG dann auch zuerst das Wort.

Schulamtsdirektor Dr. Hans-Dieter Pix sprach von einem Abschied mit Wehmut. Er zeigte die beruflichen Stationen der engagierten Pädagogin auf, deren Laufbahn im August 1969 an der Grund- und Hauptschule in Neuffen begannen. „Das war mitten in unruhigen Zeiten“, erinnerte Hans-Dieter Pix an die 68er-Revolution. Es folgten Schulen unter anderem in Albstadt-Tailfingen, bis sie 1983 ihre berufliche Heimat in der Kirchheimer Raunerschule fand. 1995 wurde sie Konrektorin der Lindenschule und 1998 dann zur Rektorin ernannt. Der Schulamtsdirektor schätzt die Ehrlichkeit und das Engagement von Eva-Maria Hess, ebenso ihre ausgeprägte Empathiefähigkeit. Lange Jahre war sie Referentin der Aktion Jugendschutz. Ihre Arbeit sei schülerorientiert gewesen und die Sozialisation von Kindern ihr ebenfalls ein großes Anliegen. So war die Lindenschule im Schuljahr 1996/97 VKL-Modellprojekt in Baden-Württemberg. Eine VKL ist eine Vorbereitungsklasse für ausländische Schüler, die nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen. „Eva-Maria Hess wollte allen Kindern zu einem guten Start in die Schule verhelfen“, so Hans-Dieter Pix.

Neue Wege ging die Pädagogin, wenn sie ihr sinnvoll erschienen. So gibt es seit diesem Schuljahr das Projekt „Musik Erster Klasse“ in Zusammenarbeit mit der Musikschule Lenningen. Hier können die Kinder im ersten Schulhalbjahr kostenlos musizieren. Was sie in dem knappen Jahr schon gelernt haben, davon konnten sich die Zuhörer überzeugen.

Bürgermeister Michael Schlecht schätzt an der scheidenden Rektorin das Augenmaß. „Egal, welch neue pädagogische Erkenntnisse angepriesen wurden, für Eva-Maria Hess war die Frage entscheidend: Passt das für die Schüler und Lehrer hier vor Ort?“, sagte er. Mit Geduld und Stehvermögen habe sie ihre Schule weitergebracht. „Die Kontinuität hat der Schule gut getan“, so das Urteil des Bürgermeisters. Er verschwieg auch den schwierigen Antrag nicht, den die Rektorin schweren Herzens aus Vernunftgründen stellen musste: die Grundschule in Brucken, Außenstelle von Unterlenningen, wegen sinkender Schülerzahlen aufzugeben.

Erich Merkle, Geschäftsführender Schulleiter in Lenningen, verweigerte sich dem Wunsch der scheidenden Rektorin. Statt einer schicken und modernen Digitalkamera überreichte er ihr einen alten, in stabilem Lederetui gesicherten Fotoapparat samt blauem Schleifchen und hatte damit die Lacher auf seiner Seite. „Der Alte passt besser zu Ihnen, er hat innere Werte“, begründete er seine Wahl. Dank manueller Bedienung sei der Apparat zuverlässig und immer einsatzbereit. „Die Bilder sind ehrlich und schwer manipulierbar. Diese Bilder lassen sich auch nicht leicht löschen und hinterlassen deshalb einen dauerhaften Eindruck“, meinte er bewusst doppeldeutig.

Mit „Que sera“ lockerten Sigrid Kirchner und Martin Greis die Feier musikalisch auf, ehe die beiden Pfarrerinnen Margarete Oberle aus Brucken und Regina Stierlen aus Unterlenningen ein Grußwort unter anderem mit den Worten des Prediger Salomo an Eva-Maria Hess richteten. Elternbeiratsvorsitzender Andreas Eberle brachte ein Geschenk mit, das bei der Rektorin für große Augen sorgte: Eine (noch) kleine Linde, die in einem Topf steckte, auf dem alle Schulkinder unterschrieben haben. „Ich habe nur einen Balkon“, meinte sie lachend, versprach aber, das Pflänzchen zu hegen. Andreas Eberle sprach von einigen, unter der Ägide von Eva-Maria Hess entstandenen Traditionen, die die Eltern gerne beibehalten wollen. „Wir werden Sie einladen“, sagte er.

„Weine nicht, wenn der Vorhang fällt“ texteten die Kolleginnen und ein Kollege das Lied „Marmor, Stein und Eisen bricht“ von Drafi Deutscher für ihre scheidende Chefin um und ernteten dafür einen Riesenapplaus. Davor sprachen sie von Vertrauen, Freiheiten im Schulalltag, der Unterstützung durch die Schulleitung und dem ständig offenen Ohr, das Eva-Maria Hess für sie hatte.

Die freute sich mit ihren Gästen über die ihr zu Ehren gestaltete Feier. Bevor alle zum gemütlichen Teil im Pausenhof übergingen machte Eva-Maria Hess ihren Leitsatz deutlich: „Das wichtigste waren immer die Kinder. Sie sind der Mittelpunkt aller unserer Bemühungen.“

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